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Sehenswerte Kunstausstellung über Michel Fingesten

Fingesten 1Derzeit gibt es in Bad Karlshafen etwas zu entdecken, was man dort nicht alle Tage zu sehen bekommt: Die Ausstellung ‚Michel Fingesten – der Künstler der 1920er Jahre, der Expressionismus, Kubismus, Naturalismus und Surrealismus verkörpert‘. Präsentiert wird die rund 60 Werke umfassende Schau vom Kunstantiquariat Bernhard Schäfer und der Galerie Jörg Gaminek. Die Aquarelle, Lithographien und Exlibris (Bucheignerzeichen) aus den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts „zeigen einen repräsentativen Querschnitt der umwälzenden Innovationskraft der Kunstwelt in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg“. Die Verkaufsausstellung ‚Michel Fingesten‘ ist noch bis zum 31. März 2017 zu sehen. Unternehmen Sie doch mal einen kurzen Ausflug in die Zeit von Dreigroschenoper und Metropolis!

Michel Fingesten

Michel Fingesten wurde am  18. April 1884 in Buczkowitz in Österreichisch-Schlesien (heute Bučkovice in Tschechien) geboren. Mit  16 Jahren begann er ein Studium an der Kunstakademie in Wien, wo zu dieser Zeit auch Oskar Kokoschka studierte. Er unternahm viele Reisen, war in Amerika und Australien. 1907 kehrte er nach Europa zurück und reiste durch Italien. Fingesten hielt sich auch vorübergehend in München auf, wo er in Franz von Stucks Atelier Studien unternahm. Er beschäftigte sich in dieser Zeit vor allem mit kleinformatigen Grafiken und mit dem Zeichnen von Karikaturen. Anschließend ging er nach Berlin. Ab 1913 konzentrierte er sich auf die Technik der Radierung. 1922 war er mit den Kulissen der Stummfilme ‚Die Schuhe einer schönen Frau‘ und ‚Don Juan‘ der Vera-Filmwerke beschäftigt. 1935 kehrte er nach Italien zurück, um seine Familie in Triest zu besuchen. 1940 wurde er verhaftet, da er nach Ansicht der Faschisten Entartete Kunst herstellte. Nach der Befreiung Italiens durch die Alliierten kam er wieder frei. Seine letzte Arbeit ein ‚Santino‘, eine kleine Heiligenfigur. Fingesten starb am 8. Oktober 1943 an einer Infektion in der Folge eines chirurgischen Eingriffs.

Die Ausstellung

Zu sehen ist die Verkaufsausstellung bis zum 31. März 2017 in den Räumen der Galerie Jörg Gaminek in Bad Karlshafen, Weserstraße 18a. Neben den Werken des Künstlers Michel Fingesten sind auch einige  weitere Arbeiten bedeutender Zeitgenossen Fingestens, wie zum Beispiel Lovis Corinth oder Max Beckmann, zu sehen.

Man sollte sich aus mehreren Gründen die Zeit nehmen, sich die Aquarelle, Lithographien Radierungen und Exlibris genau zu betrachten. Zunächst taucht man beim Betrachten der Bilder in eine Zeit ein, die eine der spannensten Epochen des deutschen Kulturlebens darstellt. Zudem ist nicht sicher, wann eine Ausstellung wie dieser wieder den Weg in die Stadt finden wird. Und hat man, wie ich, das Glück, das der Ausstellungskurator im Geschäftsbetrieb Zeit und Muße findet, Informationen zur Ausstellung zu geben, dann verlässt man die Schau mit ganz vielen neuen Eindrücken und nimmt sich vor, sich doch öfter mit solchen Themen zu befassen. Und das Beste ist: Man kann nicht nur die Eindrücke der Ausstellung sogar mit nach Hause nehmen: Alle Stücke der Ausstellung können käuflich erworben werden und vielleicht demnächst bei Ihnen im Wohnzimmer hängen. Schön anzuschauen und immerwährende Motivation, die Beschäftigung mit den schönen Künsten weiter zu vertiefen.

Öffnungszeiten & Kontakt

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten der Galerie Jörg Gaminek geöffnet:

Montag bis Freitag: 9:30 bis 13.00 Uhr und 14:30 bis 18:00 Uhr
Samstag: 10.00 bis 13.00

Kontakt (während der Öffnungszeiten):
Jörg Gaminek: 05672 1360, Christian Schäfer: 05672 503

Quellen und zum Weiterlesen

Wikipedia: Michel Fingesten (aufgerufen am 12.01.2017)

Hofgeismarer Allgemeine, 6. Januar 2017

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