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Historische Aussichtspunkte ins Diemeltal – Rütli und Wandererslust

Das Beispiel Charlottenstein zeigt, wie traurig es sein kann, wenn das kulturelle Erbe eines Ortes nicht gepflegt wird und in Vergessenheit gerät. Wer kennt denn noch das ‚Rütli‘ und die ‚Wandererslust‘? Wie an dieser Stelle bereits mehrfach erwähnt, gab es in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts noch wesentlich mehr Aussichtspunkte mit reizvollen Blicken auf beide Orte. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass früher wesentlich mehr gewandert und spaziert wurde. Von den einst 30 Aussichtspunkten sind heute nur noch wenige als solche zu erkennen. Daher führe ich heute meine ‚Mission‘ fort und hole zwei Aussichtspunkte aus ihrem Schattendasein in die kollektive Erinnerung des Ortes zurück. Mag man das ‚Rütli‘ vielleicht noch kennen, bei ‚Wandererslust‘ sieht das schon anders aus.

Gegen das Vergessen.

Einst 30 Aussichtspunkte oberhalb der Orte

Unter ‚Stadtblicke‘ findet sich eine Übersicht über alle mir bekannten Aussichtspunkte in Bad Karlshafen und teilweise auch Helmarshausen. Die Übersicht ist eingeteilt in die Gruppen ‚Aussichtspunkte im Reinhardswald (Charlottenstein in Richtung Hermann-Löns-Platz)‚, ‚Aussichtspunkte im Solling (Lug ins Land in Richtung Weser-Skywalk)‘ und ‚Aussichtspunkte an Waltersberg/Kuhberg (Krukenburg in Richtung Schwalbennest)‘. Sie tragen so bekannte Namen wir ‚Krukenburg‘, ‚Hugenottenturm‘ und ‚Skywalk‘ beziehungsweise unbekannte wie ‚Wandererslust‘, ‚Deichmannsgrotte‘ und ‚Pfarrer-Francks-Eiche‘.

Heute geht es um zwei ehemalige Aussichtspunkte mit Blick ins Diemeltal.

Rütli

Das Rütli ist ein ehemaliger Aussichtspunkt in das Diemeltal, der heute mit seiner Ruhebank und idyllisch an einem kleinen Steinbruch gelegen zum Rasten und Innehalten einlädt. Die Aussichtsmöglichkeit ins Diemeltal ist heute nicht mehr gegeben. Hoch oberhalb der Diemel gelegen, befindet er sich in der Nähe der Schutzhütte ‚Königsberg‘. Man erreicht ihn auf zweierlei Weise: Entweder aus Richtung des Wanderparkplatzes an der Abzweigung nach Gottsbüren auf dem Diemelhöhenweg in Richtung der ehemaligen Schutzhütte ‚Brandenberg‘ (oder natürlich umgekehrt), wenn man den kleinen Weg an der Schutzhütte ‚Königsberg‘ in den Wald hinein läuft. Oder man folgt vom Dornröschenweg in Richtung Helmarshausen laufend hinter dem Falkenhorst / Finkeplatz links dem kleinen Weg hinauf.

Wandererslust

Schwieriger ist es mit dem ehemaligen Aussichtspunkt ‚Wandererslust‘. Über ihn heißt es im Wanderführer von 1938: „Es folgen jetzt kurz hintereinander die Aussichtspunkte: ‚Hermann-Löns-Platz‘, ‚Hessenkanzel‘ und ‚Wandererslust‘. Von diesen drei Punkten hat der Wanderer einen der reizvollsten Anblicke der Umgebung Karlshafens. Im Vordergrund schlängelt sich das von Weidenbüschen umsäumte Diemelflüßchen bis zur Weser, im Süden liegt das alte Städtchen Helmarshausen und direkt gegenüber die trotzige Ruine Krukenburg.“

Das ist natürlich heute nicht mehr so: Während der ‚Hermann-Löns-Platz‘ im Dornröschenschlaf liegt, ist nur noch die ‚Hessenkanzel‘ ein attraktiver Aussichtspunkt. ‚Wandererslust‘ hingegen muss man schon sehr intensiv suchen, bevor sie findet.

‚Wandererslust‘ befindet sich, von der ehemaligen ‚Schutzhütte Brandenberg‘ kommend, auf dem Diemelhöhenweg circa 200 Meter in Richtung Helmarshausen rechts im Gehölz. Am einfachsten ist es, man läuft weiter bis zur ‚Hessenkanzel‘. Auf dem Zuweg folgt man im Scheitel der Kurve nicht dem Weg, sondern geht nach rechts in den Wald. Nach circa hundert Metern findet man Reste eines Mäuerchens und die verbliebe Stange einer hölzernen Absperrung. Den reizvollen Blick ins Diemeltal kann man höchstens noch erahnen.

Quelle und zum Weiterlesen

Artur Meinhard jun. (Hrsg): Geschichte der Landschaft und der Stadt Karlshafen mit Führer durch die Umgebung und Dampferfahrplan, 24 Seiten, 2. Auflage, 1938.

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