Freibad Karlshafen

P1040399Erinnert ihr euch nicht auch noch gerne daran zurück: an die Sommerferien, endlich würde es ein heißer Tag werden und man hatte nichts anderes vor, als spätestens nach dem Mittagessen ins Mineralfreibad aufzubrechen, um den Rest des Tages dort zu verbringen? Man kam dann auf die Weserbrücke und stellte zu seiner Enttäuschung fest: Der Drei-Meter-Turm war bereits gesperrt, es musste also schon zu dieser frühen Stunde bereits brechend voll sein. Aber egal, es würde trotzdem ein toller Nachmittag werden …

Heute möchte ich euch mitnehmen, eine meiner schönsten Erinnerungen aus Kinder- und Jugendtagen mit mir zu teilen: Die Zeit im Freibad. Ich hatte den Text bereits 2012 in der Facebookgruppe ‚Du kommst aus Karlshafen, wenn …‘ veröffentlicht. Doch freue mich bereits seit Monaten darauf, ihn heute noch einmal zu veröffentlichen.

Nicht nur in den sechs Wochen langen Sommerferien, auch an jedem sonnigen Tag zwischen Mitte Mai und Mitte September, war man in der Regel dort: Im alten Karlshafener Freibad. Schon früh fing es an, ich (Jahrgang 1967) kann mich bereits an Besuche in der ersten Hälfte der 70er Jahre erinnern. Damals war alles noch sehr groß und auch das Wasser im ‚kleinen Becken‘ sehr tief.

Aber mit den Jahren wurde es besser, ab dem elften Lebensjahr war man eigentlich an allen sommerlichen Tagen im Freibad. Natürlich hatte man eine Jahreskarte für meiner Erinnerung nach 30 Mark. Und obwohl diese auch für das damals noch existente Hallenbad in Helmarshausen galt, hatte man den für einen Jugendlichen damals hohen Preis fast immer schon in der Freibadsaison ‚herausge­schwommen‘.

Meist ging es nach dem Mittagessen. Umziehen brauchte man sich nicht, hatte man die Badehose bereits unter die kurze Hose gezogen. Im Schwimmbad angekommen, suchte man sich zunächst einen Platz auf der großen Liegewiese. Meist fand man schnell seine Freunde, so dass man sich eigentlich immer auf den gleichen Teil der Liegewiese legte. Wir waren meist recht nah am Ufer der Weser, an der damaligen Grenze zum Campingplatz.

Das in Schwimmbädern übliche Gebot, sich vor dem Schwimmen abzuduschen, überging man des Öfteren geflissentlich. Es war ja ‚viel cooler‘, gleich nach der Ankunft und vor allem trocken auf den (geöffneten) Drei-Meter-Turm zu steigen. Es wäre vielleicht übertrieben zu sagen, dort verbrachte ich mehr Zeit als im Wasser. Doch war der Anteil dort oben sicherlich nicht unerheblich.

Doch kamen natürlich an einem heißen Sommertag auch viele andere auf den gleichen Gedanken. Man stand also dort oben und beobachtete die Leute, vor allem die Mädchen. Und man hatte immer auch einen Blick auf den Bademeister. In Karlshafener Freibad war das zumeist der gute Herr Hermann, vertretungsweise auch Herr Hüther. Hermann hatte natürlich etwas dagegen, dass sich so viele Leute auf dem Sprungturm sammelten. Entweder persönlich und vor Ort oder per Durchsage aus seinem ‚Wachtturm‘ hieß er uns, doch endlich vom Dreier herunter zu springen. Half dies nicht, so drohte er uns, den Sprungturm zu sperren. Nach kurzer Zeit war natürlich wieder alles beim alten. Also wurde ‚unser‘ Drei-Meter-Turm gesperrt.

Eine Herausforderung, gegen die natürlich etwas unternommen werden musste. Die Sperrung des Turms wurde immer durch ein ca. ein Meter zwanzig mal fünfzig Zentimeter großes Brett angezeigt, das den Weg auf den Turm versperrte. Als junger Mensch konnte man an diesem ‚Ärgernis‘ vorbei ohne größere Probleme die Leiter hochklettern. Oft wurde das ‚Hindernis‘ auch einfach zur Seite gestellt oder auch schon mal über die Brüstung geworfen, wo es dann unten auf der Wiese landete. Jedem war klar, dass man sofort aus dem Schwimmbad hinausgeschmissen wurde, wenn man bei einer solch frevelhaften Tat erwischt wurde. Aber der Nervenkitzel und das Abenteuer ließen einen schon bald wieder die Gelegenheit ergreifen – Risiko hin oder her.

Waren die Sprunganlagen – neben dem Dreier waren da noch zwei Einmeter-Sprungbretter – komplett gesperrt, war auch meistens die Trennleine zwischen Sprung- und Schwimmbereich entfernt. Eine Trennung der beiden Bereiche war ja aufgrund der fehlenden Gefährdung durch die ‚Springer‘ entfallen. Diese Trennleine stand auch des Öfteren in Mittelpunkt des Geschehens. War sich gespannt, eignete sie sich hervorragend dazu, es sich auf ihr bequem zu machen. Saßen also genug Personen auf dieser Trennleine, gab es hierzu selbstverständlich auch gleich die entsprechende ‚Ansage per Durchsage‘. Eine andere Funktion dieser Trennlinie war es, den Springern vom Dreier als Hindernis zu dienen, welches es zu überwinden galt. Zogen befreundete Schwimmer die Leine nach vorne, konnte man sie mit ausreichend Anlauf fuß- oder kopfwärts überwinden. Dass das ebenfalls verboten war, braucht an dieser Stelle wohl kaum betont zu werden.

Sprang man vom Drei-Meter-Turm, geschah dies natürlich auch nicht immer regelkonform. Besonders diejenigen unter uns, die gerne Leute nass spritzten, waren mit der richtigen Spungtechnik – der uns allen bekannten ‚Arschbombe‘ – in der Lage, einen ziemlich weiten Bereich am Beckenrand abzudecken. War der nächste Springer von jeweiligen Einer zurückgehalten, ging es mit einem meist sehr schrägen Sprung darum, eine in der Nähe des Beckenrandes ahnungslos Person vom trockenen in den nassen Zustand zu überführen. Der Ärger war nachher zumeist groß, einmal habe ich mir sogar einmal eine Ohrfeige einer jungen Frau eingehandelt. Auch dieses Vergehen wurde im Fall der Fälle auch mit einem ‚Rausschmiss‘ geahndet. Noch verbotener – wenn es also noch eine Steigerung eines Verstoßes gegen die Badeverordnung geben konnte – war das Springen vom Drei-Meter-Turm auf das Einmeterbrett. Dazu stellte man sich (zumeist an den linken Rand des Geländers und sorgte zunächst dafür, dass niemand auf dem Einmeterbrett stand. Von der linken Ecke des Sprungturms (nach rechts habe ich es komischerweise nie gemacht und auch nie bei anderen gesehen) sprang man gerade auf den vorderen Teil des Sprungbretts und von da aus zumeist mit einem Kopfsprung ins Wasser.

Das Freibad diente uns eigentlich nicht in seiner ursprünglichen Funktion als Schwimmbad, sondern eher als ‚Spaßbad‘. Doch nahm man sich ab und zu auch einmal die Zeit, und legte die damals üblichen Schwimmprüfungen ab. Neben Frei- und Fahrtenschwimmer gab es den ‚Jugendschwimmschein‘, bei dem mehrere verschiedene Übungen zu absolvieren waren. Ein Prüfungsteil – so erinnere ich mich noch, war die Kenntnis der Schwimm- und Baderegeln. Der theoretische Wissensstand war also durchaus vorhanden, es mangelte vielmehr am Willen der praktischen Anwendung. Für die ganz Hartgesottenen gab es noch die ‚Totenkopf-Abzeichen‘ mit einer Stunde (Schwarzer Totenkopf ), anderthalb Stunden (Silberner Totenkopf) sowie zwei Stunden Dauerschwimmen (Goldener Totenkopf). Jeder, der einen der letzt genannten Schwimmprüfungen abgelegt hat, weiß, dass man danach kaum mehr in der Lage war, weder gerade zu stehen noch einige Meter geraden Schrittes zu gehen.

Insgesamt schienen alle Regeln (Sitzen auf der Trennlinie, schräges Springen von den Sprungbrettern, Springen vom Beckenrand etc.) damals sowieso dazu gemacht worden zu sein, um von uns missachtet zu werden. Machte man mal keinen Unfug, so lag man auf der großen Liegewiese und ließ sich in der Sonne braten. Hatte man noch Taschengeld, so setzte man es in dem oberhalb der Umkleidekabinen befindlichen Kiosk in Eis und Cola um. Ab und zu gab es auch mal Pommes, sie hatten dort immer diese geriffelte Variante. Dies war der Fall, wenn man bereits sei dem frühen Vormittag im Freibad weilte und bekam langsam Hunger bekam.

Ging man dann spätestens um sieben nach Hause, war man hungrig und hatte zumeist einen schönen Tag im Freibad verlebt. Und die Vorfreude auf den nächsten Tag wuchs mit jedem Meter des Heimwegs, trotz des unvermeidlichen Sonnenbrands.

Na, wie war das damals bei dir? Kommen die Erinnerungen zurück?