Geschrieben am

Dornröschens derzeit beschränkter Blick

„Vom Lutherplatz durch die Schützenallee, unterhalb des Schießstandes vorbei zum Sängerplatz (Wunderbarer Ausblick ins Diemeltal und auf die Krukenburg“). Dann den Weg weiter über Finkeplatz …“, so heißt es im Wanderführer aus dem Jahre 1938. Heute ist der beschriebene Abschnitt der Einstieg und der erste Teil des wunderbaren Dornröschenweges, der von Bad Karlshafen nach Helmarshausen führt. Die beiden „wunderbaren Ausblicke ins Diemeltal“ sind das Thema dieses Blogbeitrags.

Der Dornröschenweg hat so manches zu erzählen, vermutlich am wenigsten von Dornröschen selbst. Sie wird ihn vermutlich nie gelaufen sein – einen Weg, der kurz oder lang in ihr Dornröschenschloss Sababurg führt. Er war lange Zeit ein Wirtschaftsweg, auf dem Pferdegespanne den für den hiesigen Handel so wertvollen Wesersandstein abtransportiert haben. Ein großer Steinbruch sowie viele kleine Steinbrüche weisen darauf hin, dass hier der ein oder andere Kubikmeter Stein abgebaut wurde. Auch muss es eine ausgeprägte Sangestradition gegeben haben, denn geht man den zuvor beschriebenen Weg an Schießstand vorbei, so kommt man als erstes zum Sängerplatz / Arbeitersängerplatz.

Sängerplatz / Arbeitersängerplatz

p1040712

Der erste Aussichtspunkt des Dornröschenweges mit Blick in das herrliche Diemeltal liegt vor einem ehemaligen kleinen Steinbruch, dessen Nutzung man relativ schnell wieder eingestellt hat. Zur Orientierung: Zieht man eine gerade Linie von Platz in Richtung Steinbruch, so kommt man ungefähr beim Hochbehälter auf der Verlängerung des Triftwegs raus. Der Zugang zum ehemaligen Steinbruch ist durch eine Trockenmauer aus Wesersandstein versperrt. In diese Mauer ist eine Platte eingelassen, dessen Inschrift auf den Namen des Platzes hinweist: „Arbeiter-Gesangsverein. Erbaut 1931“. Der Platz an sich ist nicht mehr im besten Zustand: Die dort befindliche Bank ist herrlich romantisch mit Moos überwachsen.

p1040714Der einstmals herrliche Blick in das Diemeltal ist derzeit zugewachsen und dadurch nicht mehr vorhanden. Aber nicht so, als das man diesen Blick nicht wieder herstellen könnte.

Wir gehen weiter und kommen nach einigen schönen Kurven zum Finkeplatz – Anno 1938 vielleicht, heute ist das anders.

Finkeplatz / Falkenhorst

p1040708 Der zweite Aussichtspunkt liegt unterhalb des ehemaligen großen Steinbruchs und damit auch unterhalb der Hessenkanzel. Von der B83 ist er auch gut sichtbar im Wald gelegen. Wird in den alten Wanderführern und -karten noch vom Finkeplatz gesprochen, so heißt der Platz heute Falkenhorst. Warum das so ist, wer Herr Finke war und warum der Platz umbenannt wurde, das konnte ich bislang noch nicht erforschen. Früher war der Falkenhorst auch Stempelstation für die Bad Karlshafener Wandernadel, die man bis vor einigen Jahren noch erwandern konnte.

p1040706Der Blick ins Diemeltal ist ebenfalls mäßig, aber das Gleiche galt ja bereits für den Sängerplatz. Es gilt meiner fachlich natürlich nicht belastbaren Einschätzung nach auch hier, dass die Herstellung des herrlichen Diemelblicks nicht so schwierig zu erreichen wäre.

P1040620Hinter dem Falkenhorst geht es auf dem Dornröschenweg entlang links hinauf zum Rütli, einem weiteren ehemaligen Aussichtspunkt am Königsberg.

Fazit und Ausblick

Fazit: Da geht noch was.

Ausblick: Der Bürgerverein Karlshafen-Helmarshausen hat das Thema Sängertradition bei der Reaktivierung der Waldwege auf dem Schirm und spielt dabei auch mit dem Gedanken, einen „Sängerweg“ einzurichten, da es mit den Sängerplätzen in Helmarshausen, dem Schillerhain und dem Sängertempel auf den Sängerklippen durchaus reizvolle Stationen für einen solchen Weg gäbe. Weitere Verbesserungen könnten sich durchaus aus dieser Maßnahme ergeben.

Quellen und weiterführende Informationen

Artur Meinhard jun. (Hrsg): Geschichte der Landschaft und der Stadt Karlshafen mit Führer durch die Umgebung und Dampferfahrplan, 24 Seiten, 2. Auflage, 1938.

Heinrich Müller: Müllers Führer für Wanderungen durch die Umgebung von Solbad Karlshafen (Oberweser), Hertelle und Helmarshausen, 32 Seiten, Wanderkarte, 4. Auflage, Verlag Buchhandlung Ludwig Müller, Karlshafen, 1954. 

Heimat- und Verkehrsverein e. V. Bad Karlshafen (Hrsg.): Wanderführer Bad Karlshafen – 36 markierte Touren mit Beschreibung, 32 Seiten, kein Jahr.

Merken

Merken

Merken

Schreibe einen Kommentar