Teil 1: Die Gründer und Größen der Vergangenheit

In diesem ersten Teil geht es um den Ortsteil Bad Karlshafen und die Benennung der Straßen nach den Größen der Stadthistorie.

Carlstraße – Der erste und wichtigste Namenspate ist natürlich Landgraf Carl zu Hessen Kassel (1654 bis 1730). 1699 ließ er zunächst den Ort Sieburg gründete, um dort Hugenotten anzusiedeln, protestantische Glaubensflüchtlinge aus Frankreich. Sieburg sollte nach den Plänen Carls eine einflussreiche Fabrik- und Handelsstadt werden, die in Verbindung mit einem ehrgeizigen Kanalprojekt von der Weser bis nach Kassel die Zölle von Hannoversch Münden umgehen wollte. 1715 wurde der Ort zu Ehren von Carl Landgraf zu Hessen in Carlshaven umbenannt.

Friedrichstraße – Namensgeber dieser Straße war aller Wahrscheinlichkeit nach Landgraf Friedrich der Zweite (1720-1785). Er war der Kasseler Landgraf, der es in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges mit dem Soldatenhandel zugunsten Englands zu großem Reichtum brachte. Ort der Ausschiffung für den Weg auf der Weser nach Bremen war dabei der Karlshafener Hafen. Über diese Zeit gibt ein Buch und einen Fernsehmehrteiler, ‚Der Winter, der ein Sommer war‘. Einige werden sich sicher noch an die Dreharbeiten vor mittlerweile vierzig Jahren erinnern.
Nein? Hier ein kurzer Trailer. Im letzten Viertel des Filmchens gibt es Aufnahmen von Karlshafen.

Conradistraße – Carls Ingenieur und Baumeister in Sieburg war Friedrich Conradi (1671-1750). Er ließ 1699 den jetzigen Gasthof zum Landgraf Carl errichten, in dem er später auch selber wohnte. Ab 1710 begannen die Arbeiten zum Ausbau der Diemel, der Kanal sollte zunächst nach Kassel, später dann bis zum Rhein führen. Conradi entwarf unter anderem das ehemalige Pack- und Lagerhaus am Hafen in Bad Karlshafen, das in den Jahren 1715-1719 erbaut wurde und heute als Rathaus der Stadt genutzt wird.

Gallandstraße – Der im Invalidenhaus tätige Arzt und Apotheker Jacques Galland entdeckte 1730 eine Solequelle im Ort und legte damit den Grundstein zum Kur- und Heilort Bad Karlshafen. Erst wurde die Solequelle zur Salzgewinnung genutzt, später diente die Sole zu Heil- und Badezwecken.

C-D-Stunz-Weg – Carl Daniel Stunz übernahm von seinem Vater die Leitung des Hotels ‚Zum Schwan‘. Bevor er aus dem ‚bescheidenen Haus‘ ein ‚Hotel ersten Ranges‘ machte, erfuhr er nicht nur eine gründliche Ausbildung im Hotelfach, sondern bereiste zudem die Welt. Diese Erfahrungen brachte er in den laufenden Hotelbetrieb mit ein, um ihn umfassend zu modernisieren.

Fritz Kuhlenkamp-Weg – Der Stifter des Glockenturms am Triftweg, Johann Friedrich Kuhlenkamp aus Bremen, wurde vermutlich aus praktischen Gründen mit der verkürzten Straßenbenennung ‚Fritz Kuhlenkamp-Weg‘ geehrt. Am 19. Januar 1882 wurde Herr Kuhlenkamp wegen seinen großzügigen Geschenks an die Stadt zum Ehrenbürger ernannt. Und da vermutlich nicht jeder schon einmal am Fritz Kuhlenkamp-Weg war, er befindet sich als Stichweg am mittleren C-D-Stunz-Weg.

Quellen und Anregungen zum Weiterlesen

Bohn, Robert (2000): 1699-1999 Karlshafen – Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Hessischen Planstadt aus der Barockzeit, Reihe ‚Beiträge zur Geschichte der Stadt Karlshafen und des Weser-Diemel-Gebiets‘, Band 11, Verlag des Antiquariats Bernhard Schäfer, Bad Karlshafen.

Kasseler Sparkasse (Hrsg., 1999) Landgraf Karl und die Gründung von Karlshafen 1699-1999, Verlag Weber & Weidemeyer, Kassel.

Kupetz, Sigrid (2000): Karlshafener Häuser – mehr als schöne Fassaden, Reihe ‚Beiträge zur Geschichte der Stadt Karlshafen und des Weser-Diemel-Gebiets‘, Band 12, Verlag des Antiquariats Bernhard Schäfer, Bad Karlshafen.

Regiowiki der Hessisch-/Niedersächsischen Allgemeinen Zeitung (HNA): http://regiowiki.hna.de.

Homepage der Stadt Bad Karlshafen.

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