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Bad Karlshafen und Helmarshausen gehen wählen

Eine kleine Historie der Stadtverordnetenversammlung seit 1972

P1030600In einer Woche ist in Hessen Kommunalwahl und vermutlich werden das erste Mal seit 1968 wieder vier Fraktionen in der Gemeindevertretung der Stadt an der Diemelmündung sitzen: Mit der Alternative für Deutschland (AfD) wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das erste Mal eine rechtspopulistische Partei in die Gemeindevertretung einziehen. Leider wurde von den etablierten Parteien nicht in dem Maße die öffentliche Auseinandersetzung gesucht, wie ich (und vermutlich andere auch) es gewünscht hätte(n): Eine große Stärke dieser Partei ist ja glücklicherweise, dass sie sich in politischen Diskussionen gerne als unwählbar darstellt – die erste Bürgerversammlung zur Hafenöffnung hat das eindrucksvoll gezeigt. Der gemeine Bürger hingegen hetzt lieber in den sozialen Medien gegen die im Prinzip konzeptlose Gruppierung und klaut – ebenfalls konzeptlos – mehr als einmal ein Wahlplakat der Partei. So kommt man dieser Partei nicht bei – finde ich zumindest.

Zum Thema: Seit Jahrzehnten, eigentlich seit der Eingemeindung von Helmarshausen im Jahr 1972, gab es bisher immer drei Parteien in der Stadtverordnetenversammlung. Machen Sie mit mir heute eine kleine Reise durch die Geschichte von Stadtverordnetenversammlung und Rathaus in Bad Karlshafen und Helmarshausen. Wussten Sie beispielsweise, dass es erst seit 1977 (wieder) eine CDU-Fraktion im Stadtparlament gibt?

Die Stadtverordnetenversammlung

Die erste gemeinsame Kommunalwahl der bis zum 31. Juli 1972 selbstständigen Gemeinden Karlshafen und Helmarshausen brachte ein überragendes Ergebnis für die Freie Wähler Gemeinschaft (FWG) von Bürgermeister Karl Heinz Hansen. Sie erreichte 55 Prozent der Stimmen und damit eine satte Mehrheit. Fünf Prozent der Wählerstimmen fielen damals auf die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG), die CDU hatte sich nicht zur Wahl gestellt. Zweitstärkste politische Kraft war damals die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD). In der kommenden Wahl gab es einen herben Verlust der Freien Wähler, der sicherlich auch mit dem plötzlichen Tod von Bürgermeister Hansen in Zusammenhang stand. War die Christlich Demokratische Union (CDU) bislang nicht kontinuierlich im Stadtparlament vertreten (sie nahm lediglich 1946, 1948, 1960 und 1968 an den Urnengängen teil), bestimmt sie seit 1977 die Geschicke der Stadt mit. Die Stimmenverteilung war fortan relativ gleichmäßig auf die drei Parteien verteilt. Die stärkste Kraft in der Stadtverordnetenversammlung war jedoch lange Jahre die SPD. Regieren konnte sie zunächst nicht, hatte doch die bürgerliche Koalition von FWG und CDU bis 2001 die Mehrheit inne. Nachdem die SPD 1989 und 1997 an der absoluten Mehrheit gekratzt hatte, bekam sie 2001 die Möglichkeit der Alleinregierung. Bereits 2006 ging die Mehrheit jedoch wieder in das bürgerliche Lager über, was bis heute so geblieben ist. Bei der letzten Wahl 2011 wurde die FWG die stärkste Fraktion. Die Wahl 2016 verspricht aufgrund der Ansprüche der Alternative für Deutschland (AFD) in Hinblick auf die Mehrheitsverhältnisse spannend zu werden. Die Stimmanteile der Parteien bei den Kommunalwahlen lassen sich aus der Graphik ablesen.

Wahlergebnisse

Die Bürgermeister

Helmarhausen

1967-1972: Willi Hold (?)

Bad Karlshafen

1960-1972: Karl Heinz Hansen (FWG)

Bad Karlshafen & Helmarshausen

1972-1975: Karl Heinz Hansen (FWG)
1975-1999: Hans-Christian Wehmeier (FWG)
1999-2005: Rolf Schließmann (SPD)
2005-heute: Ulrich Otto (CDU, später parteilos)

Die nächste Bürgermeister-Direktwahl ist im Jahr 2017.

Quellen und zum Weiterlesen

Bohn, Robert (2000): 1699-1999 Karlshafen – Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Hessischen Planstadt aus der Barockzeit, Reihe ‚Beiträge zur Geschichte der Stadt Karlshafen und des Weser-Diemel-Gebiets‘, Band 11, Verlag des Antiquariats Bernhard Schäfer, Bad Karlshafen.

Onlinearchiv der HNA: https://www.meinehna.de/abo/ (für Abonnenten kostenlos)

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