Ausstellung „Neue Heimat Karlshafen: ‚Mit offenen Armen aufgenommen’“

IMG_0468 Am 22. Mai 2016 (Internationaler Museumstag) wurde im Deutschen Hugenotten-Museum in Bad Karlshafen die sehenswerte Ausstellung ‚Flüchtlinge und Einwanderer von 1699 bis heute‘ eröffnet. Die Ausstellung „Neue Heimat Karlshafen: ‚Mit offenen Armen aufgenommen’“ ist noch bis zum 30. Oktober 2016 im Ausstellungsraum des Museums zu sehen. Der Besuch lohnt sich – zeigt er doch jedem Besucher sehr eindringlich, wie sehr der kleine Ort zwischen Weser und Diemel seit seiner Gründung von den Flüchtlingen und Einwanderern aus den verschiedenen Teilen der Welt profitiert hat. Das Thema ist derzeit und wieder tagesaktuell, obwohl es schon immer Flucht gegeben hat und geben wird – auch wenn Deutschland und Europa einmal nicht davon betroffen waren bzw. sein werden. Die Flüchtlinge von heute wurden im Ort freundlich aufgenommen und leben im Augenblick unter anderem in vier Gemeinschaftunterkünften. Gut so! Denn die in vielen Orten unserer Republik praktizierte Diskriminierung, Verleumdung und Verfolgung von Flüchtlingen wäre in Bad Karlshafen bei näherer Betrachtung ganz sicher ein Verrat an der Stadtgeschichte!

Beschreibung der Ausstellung (Auszug aus dem Flyer)

IMG_0472Die Ausstellung „Neue Heimat Karlshafen – ‚Mit offenen Armen aufgenommen’“ nimmt die aktuelle Flüchtlingskrise zum Anlass, die Geschichte Bad Karlshafens unter dem Aspekt der Migration zu betrachten. Sie zeigt auf, dass Flucht und Einwanderung historisch betrachtet keine Ausnahmen sind, sondern eher die Regel.

Aus christlicher Sicht begann schon die Menschengeschichte mit der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies. Mit dem Fokus auf Bad Karlshafen wird deutlich, dass die Stadt im Jahr 1699 überhaupt erst für hugenottische Flüchtlinge aus Südfrankreich gegründet wurde.

In der Folge kamen über die Jahrhunderte Adlige aus Frankreich, deutsche Flüchtlinge und Vertriebene sowie vietnamesische Flüchtlinge nach Karlshafen. Russlanddeutsche und Siebenbürger ließen sich hier ebenso nieder wie Gastarbeiter aus Portugal und der Türkei sowie pakistanische Glaubensflüchtlinge. Aktuell sind es Migranten aus dem Nahen und dem Mittleren Osten.

Die ‚Flüchtlingswellen‘ nach Bad Karlshafen

  • Bad Karlshafen ist in Deutschland die einzige Stadt, die für hugenottische Glaubensflüchtlinge gegründet wurde (1699).
  • Karlshafen wurde in der Folgezeit nach der Entdeckung der Solequellen durch den Hugenotten Jacques Galland zur Sole- und Badestadt und blieb weiterhin ein Anlaufpunkt für Flüchtlinge. Zur Zeit der französischen Revolution (ab 1789) benutzten französische Adelige Karlshafen auf ihrer Flucht als Zwischenaufenthalt.
  • Am Ende des ersten Weltkrieges (1918/19) kamen deutsche Flüchtlinge aus dem französisch gewordenen Metz in die Weserstadt.
  • 1939 wurden Saarländer vorsorglich nach Karlshafen verlagert. 1943/1944 kamen Menschen, die durch Kriegserlebnisse alles verloren hatten.
  • Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges trafen hunderte vertriebene Sudetendeutsche und Schlesier in der Stadt an der Weser ein.
  • Zwischen 1960 und 1980 kamen Portugiesen, Türken und andere als Gastarbeiter nach Karlshafen.
  • In neuester Zeit hat Bad Karlshafen wieder Flüchtlinge aufgenommen. Unter Ihnen sind zahlreiche allein reisende Minderjährige, die in Helmarshausen in einem ehemaligen Klostergebäude betreut werden. Insgesamt sind im Jahr 2015 ca. 250 Flüchtlinge neu nach Bad Karlshafen gekommen.

Es ist abzusehen, dass die Geschichte der Stadt Karlshafen weiterhin von Flüchtlingen mitgeprägt werden wird. Heißen wir sie also herzlich willkommen!

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Adresse und Öffnungszeiten

IMG_0453Adresse:
Deutsches Hugenotten-Museum
Hafenplatz 9a, 34385 Bad Karlshafen
www.hugenottenmuseum.de

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: 10.00-17.00 Uhr.
Samstag, Sonntag und Feiertage: 11.00-18.00 Uhr.