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Ausstellung ‚Carlshafen – ein Städtename mit Programm‘

P1040427Man mag ja zur geplanten Hafenöffnung stehen wie man will: Die Ausstellung ‚Carlshafen – ein Städtename mit Programm‘ sollten sich weder Befürworter noch Gegner dieses Mammutprojekts entgehen lassen. Sie zeigt aber nicht allein die historische Perspektive des Areals, sie ist vor allem auch eine Blaupause für die zukünftige Gestaltung des Hafenareals – mit oder ohne Zugang zur Weser.

Die Ausstellung „Carlshafen – ein Städtename mit Programm“ ist am 16. Dezember 2015 im Gästeraum des Rathauses Bad Karlshafen eröffnet worden. Der Heimatverein Bad Karlshafen e. V. zeigt täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr das Hafenareal aus der historischen Perspektive, der damaligen pflanzlichen Gestaltung und der industriellen Nutzung des Hafens. Zudem zeigt die Ausstellung auf, wie der Hafen zukünftig aussehen könnte.

Mein Resümee: Die Ausstellung ist nicht nur eine schöne und notwendige Werbung für ‚Carls Hafen‘, sondern zugleich auch eine Mahnung für die Zukunft der Stadt.

Einhundert Jahre Hafennutzung in Bildern

P1040438Die Ausstellung zeigt mehr als dreißig alte Fotografien mit längst nicht mehr vorhanden Gebäuden und Einrichtungen: Der Besucher erhält interessante Ansichten der alten Drehbrücke mit seinen Schleusentoren, des Wiegehäuschens und eines ‚Boots-Verleihs‘ mit einer Einstiegsstelle für Paddelboote. Neben den baulichen Gegebenheiten zeigt die Ausstellung vor allem auch das gesellschaftliche Leben rund um ‚Carls Hafen‘: Da ist der Umzug anlässlich eines Schützenfestes, eine mehr feucht als fröhliche Übung der Freiwilligen Feuerwehr und das ‚Wintervergnügen auf dem zugefrorenen Hafen Mitte der 60er Jahre‘ – und wer denkt nicht gerne an die kalten Winter und das Schlittschuhlaufen auf dem Hafen zurück?

Lustwandeln an der Hafenpromenade?

P1040440Was mich an der Ausstellung am meisten beeindruckt hat, war die gärtnerische Gestaltung der Hafenumgebung. Auf der dem Rathaus gegenüberliegenden Seite des Hafenplatzes gab es zeitweise viel Grün und verschlungene Wege mit dem Denkmal von Landgraf Karl in seiner Mitte. Wer möchte da nicht an einem schönen Sommertag auf einer schattigen Parkbank oder direkt auf der Hafenmauer mit seiner antiquarisch erworbenen Ausgabe von Thomas Manns ‚Zauberberg‘ oder einem druckfrischen Exemplar von Dörte Hansens ‚Altes Land‘ sitzen und genüsslich schmökern?

Viele Ideen für die Zukunft

P1040445Die Ausstellung bietet allen Bürgern der Stadt die Gelegenheit, sich einen Eindruck über die unendlich vielen Möglichkeiten einer zukünftigen Hafengestaltung zu machen. Das Rad muss nicht unbedingt noch einmal neu erfunden werden, warum sich nicht von den Leistungen der Vergangenheit inspirieren lassen? Und das vor allem vollkommen unabhängig vom Ausgang des Bürgerentscheids am 7. Februar 2016. Mir beispielsweise würde ein nostalgisch anmutender Kiosk im Hafenareal gut gefallen. Weitere Möglichkeiten wären ein Hafencafé mit einer hübsch gestalteten Terrasse direkt am Wasser oder ein Tretbootverleih. Was letztlich aus dem Hafenareal entsteht, liegt ganz in der Hand der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bad Karlshafen.

Werbung und Mahnung zugleich

Natürlich ist die Ausstellung auch eine Werbung für eine mögliche Hafenöffnung. Die zahlreichen Zeitungsausschnitte auf einer der Ausstellungstafeln lassen daran keinen Zweifel. Doch egal, wie die Abstimmung am 7. Februar kommenden Jahres ausgeht: Sowohl eine Hafenöffnung als auch die ohne dieses Projekt notwendige Stadtentwicklung lassen sich nur dann realisieren, wenn alle – Befürworter und Gegner, Karlshäfer und Helmarshäuser, jung und alt – sich gemeinsam dieser gewaltigen Aufgabe stellen.

Im Augenblick jedoch erinnert der Zustand der Stadt eher an den Asterix-Band ‚Der große Graben‘, in dem sich die beiden Häuptlinge ‚Griesgramix‘ und ‚Grobianix‘ das Leben schwer machen. Das macht mich nachdenklich … … und zugegebenerweise auch traurig.

Quellenhinweise und zum Weiterlesen

Ausstellungshinweis der Stadt Bad Karlshafen

Goscinny, René und Uderzo, Albert: Der große Graben, Asterix-Band XXV, Ehapa Verlag GmbH