Auf den Spuren der Carlsbahn durch Bad Karlshafen

Bad Karlshafen: Samstag, 18. Mai 2019, 10.00 Uhr: ›Themenführung Carlsbahn‹, 75 min. Rundgang mit Christian Bachmann, anschließend Möglichkeit zum Besuch der Fotoausstellung ›Die Carlsbahn gestern und heute‹. 5,00 Euro pro Person. Treffpunkt: Weserufer hinter dem Landgraf-Carl-Haus. Anmeldung nicht erforderlich.

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P1030429Mit dieser fiktiven Ankündigung beginnt die Kurzgeschichte ‚Themenstadtführung ‚Die Carlsbahn in Bad Karlshafen‘‘ im Essayband ‚Bad Karlshafen 2.0 – Visionäres Kopfkino für die nördlichste Stadt Hessens‘ (Leseprobe). Heute habe ich mir jedoch gedacht: „Warum so lange warten?“. Gut, es gibt weder einen professionellen Stadtführer für dieses Thema, noch die Fotoausstellung. Aber die Stätten als Zeugen der einhundertachtzehnjährigen Geschichte der Carlsbahn in Bad Karlshafen sind noch da, sei es in der Erinnerung oder in der Phantasie.

Ein Spaziergang mit sechs Stationen rund um die Carlsbahn nimmt Sie mit in eine andere Zeit.

Station 1: Übergang Kanal zur Weser / Drehscheibe 1

p1040545Startpunkt: Weserufer hinter dem Landgraf-Carl-Haus. An dieser Stelle befindet sich – je nach Perspektive – der eigentliche Start- beziehungsweise Endpunkt der Carlsbahn. Obwohl sich der Bahnhof Karlshafen linkes Ufer am Standort der heutigen Marie-Durand-Schule befand, führten die Gleise früher bis zur Weser führten. Am Übergang des Kanals zur Weser hatte die Hafenbahn als Verbindungsweg zwischen Bahnhof und Weser ihren Anfang. Hier wurden die Waren, die über die Weser kamen, in Güterwaggons geladen und weiter nach Kassel transportiert – oder eben auch anders herum. An dieser Stelle befand sich eine Drehscheibe, die ein Rangieren der Züge ermöglichte. Von hier aus führten zwei Gleise zu den beiden weiteren Drehscheiben, die sich in im Bereich Gerbergasse/An der Schlagd befanden. Unter ‚Quellen und zum Weiterlesen‘ findet sich ein Foto, auf dem den Gleisverlauf und die Drehscheiben erkennen kann.

Heute würde man die Carlsbahn den ‚Landgraf-Carl-Kanal 2.0‘ nennen, denn letztlich wurde damit das Ziel eines Transportweges vom damaligen Carlshaven nach Cassel unter der Umgehung von Hannoversch Münden einhundertneunundvierzig Jahre später doch noch realisiert. Lediglich mit einem anderen Transportmittel. Leider wurde der Betrieb der im März 1848 eröffneten Carlsbahn im September 1966 eingestellt.

Weiter geht es parallel zur Weser, bis man auf die Gerbergasse trifft.

Station 2:  Drehscheibe 2 Gerbergasse / An der Schlagd – nahe Minigolfplatz

p1030561Drehscheibe 2

Weiter geht es in Richtung Weserstraße bis zum Klee-Spielplatz.

Station 3:  Drehscheibe 3 Gerbergasse / An der Schlagd – Klee-Spielplatz

p1040548Drehscheibe 3

Weiter geht es zur Weserstraße und dem dort befindlichen Carlsbahn-Denkmal mit der Gedenktafel.

Station 4:  Carlsbahn-Denkmal

P1030433 (3)P1030440Ein großer Radsatz sowie eine Gedenktafel bilden das Carlsbahn-Denkmal mit dem großen Radsatz. Das Denkmal wurde 1975 errichtet und steht genau auf dem ehemaligen Gleisbett der Hafenbahn, die bereits 1952 außer Betrieb genommen wurde. Übrigens: Auf der Gedenktafel findet sich ein Widerspruch in der Inschrift: Sie spricht von einer Inbetriebnahme der Carlsbahn am 30. Mai 1848, alle anderen Quellen sprechen von einer Eröffnung am 30. März 1848.

Die Carlstraße entlang geht es zur Marie-Durand-Schule

Station 5: Marie-Durand-Schule, ehemals Bahnhof Karlshafen linkes Ufer

p1030546Dort, wo heute der Schulkomplex der Stadt Bad Karlshafen – die Sieburg-Grundschule und die Marie-Durand-Schule steht, stand von 1848 bis 1970 der Bahnhof Karlshafen linkes Ufer. Hier endete die Personenbeförderung der Carlsbahn, die ja eine Stichbahn aus Richtung Hümme war. Der Güterverkehr wurde, wie bereits beschrieben, auf der Hafenbahn bis zum südlichen Weserufer fortgesetzt. Dieser Kopfbahnhof entstand 1848 nach einem Entwurf von Julius Eugen Ruhl. Interessant ist übrigens, dass für den Bahnhof damals der alte Friedhof, der sich auf Teilen des Geländes befand, verlegt werden musste.

p1030417Der Triebwagen vor dem Schulkomplex ist, neben der Lokomotivachse, das zweite Denkmal hier in Bad Karlshafen, das in Zusammenhang mit der Carlsbahn steht. Es handelt sich um eine sogenannte ‚Ferkeltaxe‘, umgangssprachlicher Begriff für die Triebwagen, die früher in der ehemaligen DDR eingesetzt wurden, bevorzugt auf dem Lande. Offiziell trägt diese Ferkeltaxe die Fahrzeugnummer 971 665-5, gebaut wurde sie im Jahr 1964 vom Volkseigenen Betrieb Waggonbau in Bautzen. Sie fuhr sie bis 1995 für die Deutsche Reichsbahn, danach wurde sie an die Usedomer Bäderbahn (UBB) verkauft. Im Mai 2003 kam sie nach Bad Karlshafen und dient neben der Funktion als Denkmal inzwischen vor allem als Pausenraum und Cafeteria auf dem Schulhof der Marie-Durand-Schule.

Man läuft links an der Marie-Durand-Schule vorbei und über den dahinter befindlichen Schulhof und begibt sich links hinauf auf die Straße ‚Unter dem Königsberg‘. Man geht nach rechts und folgt dem Weg solange, bis man zu einer Schranke kommt.

Station 6: Gleisbett der ehemaligen Carlsbahn

p1040504Ab hier, im Umfeld der Schranke, verläuft der Rad- und Spazierweg auf dem ehemaligen Gleisbett der Carlsbahn. Ein Schild am Rand des Weges zeigt es an ‚Sonnenweg‘ nach Helmarshausen – ehemalige Bahntrasse der Friedrich-Wilhelm-Nordbahn von Karlshafen nach Hümme 1848-1966′.

Zurück geht es den gleichen Weg auf die Straße Unter den Königsberg, bis es nur noch nach links oder rechts geht. Nach rechts und gleich wieder links (an der Kirche vorbei) gelangt man wieder zum Hafen.

Anmerkung

Der Gebrauch der Begriffe ‚Carlsbahn‘ und ‚Friedrich-Wilhelm-Nordbahn‘ geht etwas durcheinander. Heute wird der Abschnitt zwischen Hümme und Bad Karlshafen in verschiedensten Quellen als ‚Carlsbahn‘ bezeichnet.

Quellen und zum Weiterlesen

Plan Hafenbahn: http://www.uni-kassel.de/gis/KULADIG/ws0607/242_338_Abschnitt39.pdf

Materialsammlung Carlsbahn: http://federstrich3610.de/materialsammlung-carlsbahn/

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