Kennen Sie Rütli und Schlossblick?

Wanderführer alt und neuJede/r in Bad Karlshafen und Helmarshausen kennt die Juliushöhe, den Hugenottenturm und das Schloss. Einige kennen Deichmannsgrotte, Römerblick und den Hermann-Löns-Platz. Aber wie sieht es aus mit der Lindenhöhe, dem Diemelblick, Petrisitz und Rütli? Immer interessiert an alten Unterlagen über die Stadt ist mir vor einiger Zeit die ‚Geschichte der Landschaft und der Stadt Karlshafen mit Führer durch die Umgebung und Dampferfahrplan‘ aus dem Jahr 1938 in die Hände gefallen – freundlicherweise hat mir der Heimatforscher Egon Haake aus Gottsbüren diesen kleinen, für mich so wertvollen Schatz vermacht. Beim sorgfältigen Studium dieses vierundzwanzig Seiten umfassenden Heftchens kamen mir folgende Einsichten, deren Existenz ich vorher nicht bedacht hatte: Erstens ist dieses Heftchen mit seinen neunzehn Spazier- und Wandervorschlägen das Vorbild für die bis vor wenigen Jahren bestehende ‚Wandernadel Bad Karlshafen‘, zweitens hatten einige der noch heute bekannten Plätze und Aussichtspunkte damals andere Namen und drittens sind einige der Plätze und Aussichtspunkte heute nicht mehr bekannt und werden wohl vollkommen Vergessenheit geraten, holt sie nicht jemand aus ihrem Dornröschenschlaf. Daher heute eine kleine, zu meinen bisherigen Ausführungen erweiterte Bestandsaufnahme. Ein zweiter Teil soll dann eine ‚Route der vergessenen Orte und Wege‘ beschreiben.

Ich wette mit Ihnen, dass die meisten der Ortskundigen jedoch schon einmal beim ‚Rütli‘ waren.

Ein früher Wanderführer

Wanderführer 1938Die ‚Geschichte der Landschaft und der Stadt Karlshafen mit Führer durch die Umgebung und Dampferfahrplan‘, herausgegeben von Artur Meinhard jun. und 1938 erschienen, umfasst zwei Teile: ‚Geschichte der Landschaft und der Stadt Karlshafen‘ und ‚Führer durch die Umgebung von Karlshafen‘. Die Einteilung der neunzehn Spaziergänge und Wanderungen entspricht nahezu der Einteilung des letzten Wanderführers zur Erlangung der ‚Wandernadel Bad Karlshafen‘: ‚Kleine Spaziergänge im Reinhardswald‘ (6), ‚Kleine Spaziergänge im Solling‘ (5), ‚Größere Wanderungen im Reinhardswald‘ (4) und ‚Größere Wanderungen im Solling‘ (4).

Bekannte Namen schöner Plätze und Aussichtspunkte

Bank am (Arbeiter-)Sängerplatz
Bank am Sängerplatz

Einige Dinge sind zeitlos und auch trotz der langjährigen Vernachlässigung des natur-kulturellen Erbes nicht in Vergessenheit geraten: Wir erfreuen uns noch heute am Hugenottenturm, an Lug ins Land, der Hessenkanzel, dem Sängertempel, der Juliushöhe, dem Carlsplatz, dem Römerblick und der Sohnreyhöhe. Von mir gerne als ‚Vergessene Orte‘ bezeichnet, kommen noch der Charlottenstein, die Deichmannsgrotte, der Hermann-Löns-Platz, die Himmelsleiter, der Sängerplatz, der Diemelblick und der Schillerhain hinzu. Letztere sind ihrer Glanzzeit längst entwachsen und drohen weiter zu verfallen. Wir haben zusätzlich noch den ‚Platz der Heimatvertriebenen‘ und den Ludwigstein – geschaffen in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Wollen wir uns weiter ihrer Schönheit und ihrer Geschichte erfreuen, so müssen einige dieser Orte aus ihrem Dornröschenschlaf geholt werden – sie haben es sicher nicht verdient, einfach vergessen zu werden. Das soll meiner Ansicht nach der erste Schritt sein, sie vor dem Vergessen zu bewahren – in einer Fortsetzung dieses Blogbeitrags schlage ich dann eine ‚Route der vergessenen Orte und Wege‘ vor.

Rütli und Finkeplatz

In der zweiten Kategorie gibt es Plätze zu benennen, die heute noch bekannt sind, jedoch lediglich einen anderen Namen tragen. Der erste von ihnen ist der ‚Rütli‘. Hoch oberhalb des Diemeltals gelegen, befand er sich dort, wo noch heute die Schutzhütte ‚Königsberg‘ steht. Man erreicht ihn auf zweierlei weise: Entweder aus Richtung des Wanderparkplatzes an der Abzweigung nach Gottsbüren auf dem Höhenweg in Richtung der ehemaligen Schutzhütte ‚Brandenberg‘ (oder natürlich umgekehrt) sowie wenn man vom Dornröschenweg in Richtung Helmarshausen laufend am Finkeplatz links dem kleinen Weg folgt. ‚Finkeplatz‘? Ja, den gibt es heute immer noch, nur ist er heute unter dem Namen ‚Falkenhorst‘ bekannt.

Lindenhöhe und Petrisitz

Kann man den ‚Schlossblick‘ mit dem ehemaligen Krankenhaus in Helmarshausen in Verbindung bringen und daraus schließen, dass er damit irgendwo westlich der Krukenburg liegen muss, wird es bei ‚Lindenhöhe‘ und ‚Petrisitz‘ bereits schwieriger. Laut der Karte von 1938 liegen beide im Gebiet zwischen Hessenkanzel und Charlottenstein. Eine erste Begehung hat bislang noch nicht zur (Wieder-)Entdeckung der beiden Plätze geführt. Also: Weitersuchen und Leute finden, die vielleicht noch wissen, wo ‚Lindenhöhe‘ und ‚Petrisitz‘ zu finden sind.

Quellen und zum Weiterlesen

Artur Meinhard jun. (Hrsg): Geschichte der Landschaft und der Stadt Karlshafen mit Führer durch die Umgebung und Dampferfahrplan, 24 Seiten, 2. Auflage, 1938.

Heimat- und Verkehrsverein e. V. Bad Karlshafen: Wanderführer Bad Karlshafen – 36 markierte Touren mit Beschreibung, 32 Seiten, kein Jahr.

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