1986 – Errichtung des neuen Gradierwerks

P10405761986: Spanien und Portugal treten der Europäischen Gemeinschaft bei, in London findet die Welturaufführung des Musicals ‚Das Phantom der Oper‘ statt. Mit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und der Explosion des US-amerikanischen Space Shuttles Challenger geschehen zwei Unglücke, deren Nachwirkungen noch heute spürbar sind.

Seit der ‚Chirugus‘ Jacques Galland 1730 die Solequellen unter der Stadt entdeckt hat, hat die Sole das weitere Schicksal Karlshafens maßgeblich beeinflusst. Ohne diese Entdeckung wäre die Stadt kein Kurort (1838), kein Heilbad (1955) und auch nicht seit 1977 ‚Bad‘ Karlshafen. 1986 wurde an der Kurpromenade in Bad Karlshafen das neue Gradierwerk errichtet. Im Gegensatz zu den großen Gradierwerken, die 1763 und 1800 errichtet wurden, dient das neue Gradierwerk nur noch medizinischen Zwecken.

Die industrielle Solenutzung

P1040571Der hugenottische Arzt Jacques Galland hat mit der Entdeckung der Solequellen auf dem Gelände des jetzigen Kurhauses der Stadt ab 1730 einen großen Dienst erwiesen. 1763 begann die Nutzung dieser Sole, in dem eine Saline sowie das erste Gradierwerk errichtet wurden. Saline und Gradierwerk zusammen werden in der Fachsprache als ‚Salzwerk‘ bezeichnet. Die Gradierwerke sind ‚Rieselanlagen‘, die der Auf-Konzentration der Sole dienen, die anschließend 12- bis 14-fach konzentriert ist. So konnte man Brennstoff sparen, um den Prozess des Sottens in großen Pfannen energie- und kostengünstiger zu gestalten. Zwei der Gradierwerke standen beim heutigen Lutherplatz, das dritte an der Weser. Die Saline (oder auch Salzfabrik) befand sich damals in drei nebeneinander stehenden Gebäuden in der Carlsstraße, gegenüber dem Invalidenhaus. Die Salzproduktion im industriellen Maßstab endete 1835, als Kurhessen dem preußischen Zollgebiet beitrat und ab diesem Zeitpunkt nur noch Salz zum Eigenbedarf produzieren durfte.

Die medizinische Solenutzung

Drei Jahre nach dem Ende der industriellen Salzproduktion begann die Nutzung der Solequelle zu Badezwecken. Karlshafen wurde 1838 Kurort und machte sich seinen weißen Schatz in den Folgejahren fleißig zu nutze. Direkt neben der Solequelle wurde ein Badehaus mit vier Räumen errichtet. 1868 wurde die Aktiengesellschaft ‚Concordia‘ gegründet, bald schon gab es ein weiteres Gebäude mit zwölf zusätzlichen Badezellen. 1903 wurde auf dem rechten Weserufer eine neue Saline errichtet, 1927-1929 entstand ein völlig neuer Kur- und Badekomplex, zu dem erstmals auch ein Kinderheilbad und Kinderheim gehörte. Die Saline wurde in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört, dennoch wurde der erfolgreiche Weg weiter beschritten: 1955 erfolgte die Anerkennung als Heilbad, 1973 wurde mit dem Bau des neuen Kurzentrums begonnen und 1977 schließlich wurde ‚Karlshafen‘ zu ‚Bad Karlshafen‘.

Die Neuzeit

Das 1980 errichtete neue Gradierwerk verfolgt allein medizinische Zwecke. Konzentrierte Sole rieselt über das mit Schwarzdorn bestückte Gradiergestell, so dass die Aerosole in die Atemwege der Besucher gelangen können. Dort bewirken sie die Reinigung der Atemwege sowie die vermehrte Durchblutung der Schleimhäute.

Das Gradierwerk ist übrigens dreißig Meter lang und acht Meter hoch. Es enthält rund 2000 Bündel Schwarzdorn, jeweils mit einer Länge von zwei Metern und einem Durchmesser von dreißig Zentimetern.

Betrachtet man im warmen Solewasser der 2004 eröffneten Weserberglandtherme das imposante Gradierwerk, so liegt es doch eigentlich nahe, ihm einen Besuch abzustatten und die gesunde, salzhaltige Luft einzuatmen.

Quellen und zum Weiterlesen

Wikipedia:
‚1986‘: https://de.wikipedia.org/wiki/1986 (aufgerufen am 20. Mai 2016)
‚Saline‘: https://de.wikipedia.org/wiki/Saline (aufgerufen am 20. Mai 2016)

Bohn, Robert (2000): 1699-1999 Karlshafen – Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Hessischen Planstadt aus der Barockzeit, Reihe ‚Beiträge zur Geschichte der Stadt Karlshafen und des Weser-Diemel-Gebiets‘, Band 11, Verlag des Antiquariats Bernhard Schäfer, Bad Karlshafen.

Bad Karlshafen GmbH: Sole & Gradierwerk, Informationsflyer, Bad Karlshafen, 2016.