1966 – Das Glockenspiel am Rathaus erklingt zum ersten Mal

P10304531966 ist das Jahr, in dem die erste Große Koalition aus CDU/CSU und SPD unter dem Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger ihre Arbeit beginnt und Leonid Breschnew in der UDSSR zum Generalsekretär der KPdSU ernannt wird. Der Musiker John Lennon gibt ein Interview, in dem er unter anderem in Bezug auf die Beatles behauptet: „We’re more popular than Jesus now.“ In Karlshafen wird in diesem Jahr eine Entscheidung umgesetzt, die sich schon länger abgezeichnet hatte: Die Carlsbahn zwischen dem Ort an der Weser und Hümme stellt ihren Personenbeförderungsverkehr ein. Seit diesem Jahr hat die Stadt Karlshafen aber auch ein Glockenspiel, dass zunächst zweimal am Tag spielen sollte. Später dann und bis heute spielt das Glockenspiel am Rathaus viermal am Tag. Um 11.00, 15.00, 17.00 und 19.00 Uhr erklingen verschiedene Melodien, die glücklicherweise auch noch recht weit entfernt vom Glockenturm des Rathauses zu vernehmen sind.

Die Geschichte

Glockenspiel. Für den Rathausturm der Stadt Karlshafen (Kreis Hofgeismar) hat der Karlshafener Uhrmachermeister Conrad Bönning ein 16stimmiges Glockenspiel gestiftet, das täglich um 11 Uhr „Ueb‘ immer Treu‘ und Redlichkeit!“ und um 19 Uhr „Lobe den Herrn!“ spielen wird. (nh)

Mit dieser Meldung in der HNA vom 10. März 1966 wurde über die Stiftung des Glockenspiels berichtet. Am 14. November 1970 wurde Conrad Bönning als ‚Stifter des Glockenspiels im Rathausturm‘ zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Recht so! Denn mit diesem Glockenspiel hat die Stadt ein Alleinstellungsmerkmal – ein Begriff, der gerade in der Gegenwart im Ort jedoch wieder sehr strapaziert wird.

Eine zweite Meldung der gleichen Zeitung, nun vom 26. Mai 2010, titelt mit der Überschrift ‚Kurort strahlt und klingt – Großes Feuerwerk und neues Glockenspiel waren die Höhepunkte beim Hafenfest‘. Das Glockenspiel war inzwischen in die Jahre gekommen und musste erneuert werden. Die dazu nötigen Mittel konnten durch eine Spendensammlung aufgebracht, an der der Bad Karlshafener Heimatverein und die Marktschreiergilde besonderen Anteil hatten. Insgesamt konnten 16 000 Euro aufgebracht werden. Die Mittel wurden verwendet, um das Glockenspiel und die Uhr komplett zu sanieren. Beispielsweise wurden die sechzehn Glocken sandgestrahlt, was sie in der Folge heller erklingen ließ. Glockenspiel und Uhr haben eine komplett neue elektronische Steuerung bekommen, die Glocken können vollautomatisch, aber auch manuell über ein angeschlossenes Keyboard gespielt werden. Derzeit sind 35 Lieder gespeichert.

Bis heute erklingt das Glockenspiel nun wieder vier Mal täglich: Morgens um 11.00 Uhr ist die ‚Hymne an die Freude‘ zu hören, um 15.00 Uhr ein Menuett Johann Sebastian Bachs, um 17.00 Uhr ertönt ‚Die Gedanken sind frei‘ bevor um 19.00 Uhr mit ‚Lobet den Herrn‘ ‚dem Liedwunsch des Stifters‘ Rechnung getragen wird.

Die Melodien

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11.00 Uhr: Ludwig van Beethoven – Hymne an die Freude

Die Hymne (oder auch Ode) an die Freude bezeichnet den vierten Satz der neunten Sinfonie von Ludwig van Beethoven aus dem Jahr 1824. Es ist die letzte vollendete Sinfonie des Komponisten. Als Text wählte Beethoven das Gedicht ‚An die Freude‘ von Friedrich Schiller. Seit 1972 ist das Hauptthema des letzten Satzes die Hymne des Europarats, 1985 wurde sie von der Europäischen Gemeinschaft als offizielle Europahymne angenommen.

15.00 Uhr: Menuett von Johann Sebastian Bach

Das Menuett entstammt vermutlich dem ‚Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach‘, zwei Notenhefte von 1722 und 1725, die Johann Sebastian Bach und seine Frau Anna Magdalena zusammengestellt haben sollen.

17.00 Uhr: ‚Die Gedanken sind frei‘

Die Gedanken sind frei ist ein deutsches Volkslied über die Gedankenfreiheit. Sein Text wurde um 1780 zum ersten Mal auf Flugblättern veröffentlicht. Im Zeitraum zwischen 1810 und 1820 entstand die Melodie dazu, und das Lied wurde in der Sammlung ‚Lieder der Brienzer Mädchen‘ in Bern gedruckt. Im Jahr 1842 wurde das Lied in ‚Schlesische Volkslieder‘ von Hoffmann von Fallersleben und Ernst Richter veröffentlicht, diese letzte Version stammt von Hoffmann von Fallersleben.

19.00 Uhr: Lobet den Herrn

‚Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren‘ ist ein geistliches Lied mit einem Text von Joachim Neander aus dem Jahr 1680.

Eine Kostprobe

Hier eine Aufnahme von der ‚Hymne an die Freude‘, original vom Glockenspiel des Rathausturms in Bad Karlshafen. Die Aufnahme stammt vom 8. September 2012:

Quellen und zum Weiterlesen

HNA-Ausgaben vom 10. März 1966 und vom 26. Mai 2010 (HNA-Archiv, für Kunden kostenlos: https://www.meinehna.de/abo/content/archiv

Wikipedia: www.wikipedia.de

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